Wild auf Zucker?
Es gibt Tage, da könnte man sich ganze Tafeln an Schokolade hineinstopfen, kann an keiner Konditorei vorbei gehen, ohne dass einem das Wasser im Mund zusammenläuft und selbst wenn man sich noch so beherrscht, erscheint einem alles Süße wie der Himmel auf Erden. Man ist sozusagen „wild auf Zucker“! Dass aber gerade der Zucker nicht unbedingt das gesündeste Nahrungsmittel ist, vor allem dann nicht, wenn man ihn in Übermaßen genießt, weiß jedes Kind und geht es noch dazu ums Abnehmen, dann sollte man gerade den Zuckerkonsum so weit als möglich einschränken. Anfang Mai, wenn der Bikinistress allerorts ausgebrochen ist, kommt der Heißhunger auf Süßes dann aber doch mehr als zur falschen Zeit und man fragt sich, wieso man sich gerade jetzt in Schokolade, Kekse und Süßspeisen vergraben möchte.
Dass die meisten von uns zeitweise doch lieber Schokolade als einen Mann bzw. eine Frau möchten, liegt an der Energieversorgung des Körpers. Zucker oder besser Glucose ist nämlich der wichtigste Treibstoff für unseren Kopf und obwohl das Gehirn lediglich 2% des Körpergewichts ausmacht, beansprucht es rund die Hälfte unseres täglichen Glucosebedarfs, in manchen Situationen, in denen wir besonderem Stress ausgesetzt sind, sogar bis zu 90%, denn Stress setzt im Gehirn einen Antreiber in Betrieb, der die Funktion hat, es zu höchster Konzentration anzuspornen. In Gefahrensituationen dient dieser Mechanismus dem Überleben, indem Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet werden und der Großteil der Energie in den Kopf umgeleitet wird. Das geht natürlich auf Kosten der übrigen Organe, was grundsätzlich kein Problem wäre. Der Lebensstil unserer hektischen Zeit bedingt aber, dass diese Stressauslösung zu häufig stattfindet, die derart bereit gestellte Energie allerdings aufgrund von zu wenig Bewegung nicht verbraucht wird. Dann gerät das an sich gut organisierte System Körper aus dem Gleichgewicht.
Nun gibt es zwei verschiedene Formen von Reaktionen, die der menschliche Körper zeigen kann. Während eine Person unter Stress erst so richtig in Fahrt kommt und auf vollen Touren läuft, bewirkt bei einer anderen derselbe Stress zwar die entsprechende Energiebereitstellung, die körpereigenen Beruhigungsstoffe verhindern aber eine volle Aktivierung. Die Folge ist im ersten Fall ein hoher Energieverbrauch bei normaler Energiezufuhr, im zweiten allerdings eine erhöhte Energiezufuhr, verbunden mit einem Ansteigen des Blutzuckerspiegels. Das Gehirn fordert also seinen Zucker, die nicht verbrauchte Energie wird jedoch in den Fettzellen abgelagert.
Wie immer also ist die Situation nicht gerade sonderlich gerecht. Die Signale, die das Gehirn aufgrund von Stress sendet, sind in beiden Fällen die gleichen, die Reaktionen des Körpers jedoch nicht. Was tun aber, wenn man vor lauter Schokoladegier die geheimen Verstecke aufstöbert, leert und schließlich aussieht, wie ein Neujahrschweinchen? Stellst du fest, dass du zu den Benachteiligten in Sachen Zuckerverwertung gehörst, bleibt dir nicht viel mehr übrig, als dass du, deine Situation erkennend, einfach mehr Bewegung erwirkst. Wenn du also unter Tags während deiner stressbehafteten Arbeitszeit wieder einmal eine Zuckerattacke mit dem Verschlingen einiger Tafeln Schokolade abgewehrt hast, dann schnür am Abend die Laufschuhe doppelt so fest und dreh eine Runde mehr als sonst. Dann sollte die Schokolade oder der Kuchen wieder abgebaut sein und nicht auf deinen Rippen in Form von Fettpölsterchen gespeichert werden. Dich gegen eine Zuckerattacke zu wehren und deinem Körper den Glucosenachschub verwehren, macht dagegen kaum Sinn, denn dann wird Denken zur Qual.
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