Kalorien
Wer die öffentlichen Diskussionen rund um das richtige, gesunde oder attraktivste Körpergewicht verfolgt, könnte zu dem Schluss kommen, dass es nichts Wichtigeres im Leben der Menschen gibt, als die aufgenommenen Kalorien zu zählen und sich permanent wie ein Hochleistungssportler zu verhalten, der sich täglich auf die Waage stellt und jeden Dekagramm zu viel auf der Stelle wieder abnehme muss. Offensichtlich sind viele Menschen unzufrieden und erliegen permanent dem Abnehmdruck, der von den Medien und der Öffentlichkeit massiv gepusht und angetrieben wird, so dass die kollektive Magersucht nicht mehr weit zu sein scheint.
Zeitschriften und Werbung übertreffen sich im Anpreisen der verschiedensten Diäten, erteilen Ratschläge, veröffentlichen einschlägige Anleitungen und die Zahl der Kochbücher in den Regalen der Buchhandlungen steigt täglich. Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht wieder irgendjemand mit einem besonders wirkungsvollen Diätvorschlag reüssieren möchte, meist wird dabei suggeriert, dass es ja lediglich darauf ankomme, wie und was man isst, um abzunehmen. Tatsache ist allerdings, dass sich die ganze Sache wesentlich einfacher darstellt und es in erster Linie einfach darauf ankommt, wie das Verhältnis zwischen Kalorienverbrauch und Kalorienzufuhr ist.
Es geht also um die so genannte Kalorienbilanz. Um diese zu ermitteln, braucht es lediglich einige wenige Grundkenntnisse. Außerdem reicht es völlig aus, einen ungefähren Wert zu errechnen. Wer dies eine Zeit lang tut, wird bald ein Gefühl für Kalorien entwickeln und relativ genau dieses Verhältnis abschätzen können. In erster Linie ist der Grundumsatz der jeweiligen Person einzuschätzen. Pro Kilogramm Körpergewicht musst du dafür rund 1 Kalorie pro Stunde veranschlagen. Wiegst du also beispielsweise 70 Kilo, so beträgt der Grundumsatz pro Stunde 70 Kalorien und pro Tag rund 1680 Kalorien.
Zum Grundumsatz rechnet man den Arbeitsumsatz dazu, der natürlich in jedem Fall von der Art und Weise der vollbrachten Tätigkeit abhängig ist. Ein Handwerker verbraucht eben mehr als jemand, der im Büro hauptsächlich sitzt. Entsprechende Tabellen findest du ausreichend im Internet oder in Büchern. Grundumsatz und Arbeitsumsatz müssen schließlich noch ergänzt werden durch die bei sportlicher Betätigung verbrauchten Kalorien. Auch hier sind die Unterschiede aber teilweise gewaltig. Beim Laufen kannst du wie folgt rechnen: 1 Kilogramm Körpergewicht verbraucht pro gelaufenem Kilometer 1 Kalorie. Für den 70 Kilogramm schweren Körper bedeutet dies also einen Kalorienverbrauch von 70 Kalorien pro gelaufenem Kilometer. Schaffst du also 10 Kilometer in einer Stunde, darfst du 700 Kalorien zum Grund- und Arbeitsumsatz dazurechnen.
Mit einer Kalorientabelle für Lebensmittel, die man sich in fast jedem einschlägigen Laden besorgen kann, ist es dann nicht allzu schwierig, die Anzahl der zugeführten Kalorien festzustellen. Die Summe deines Verbrauchs stellst du der Summe der zu dir genommenen Kalorien gegenüber. So siehst du jeden Tag, ob du zu viel oder zu wenig gegessen hast. Isst du über ein paar Tage, Wochen oder sogar Monate weniger als du verbrauchst, wird mit Sicherheit ein Verlust von Körpergewicht nicht lange auf sich warten lassen. Freilich musst du darauf achten, dass die negative Bilanz nicht zu hoch ausfällt, denn sonst wird sich dein Stoffwechsel bald umstellen und auf die reduzierte Nahrungszufuhr reagieren. Dein Arbeits- und Grundumsatz werden dann niedriger ausfallen und du kannst noch weniger essen. Mehr als 2 – 300 Kalorien zu wenig sollten es pro Tag also nicht sein. Besser etwas langsamer abnehmen und dafür nachhaltigen Erfolg verzeichnen, als rasch ein paar Kilo zu verlieren, die sich dann im bekannten Jo-Jo Effekt wieder einstellen.
Wenn du mit deinem Gewicht also tatsächlich nicht zufrieden bist, dann übe dich ein wenig im Rechnen. Erstelle dir täglich deine ganz persönliche Energiebilanz und bemühe dich, über einen längeren Zeitraum eine, wenn auch nur geringe, negative Zahl zu erreichen. Du wirst dann mit Sicherheit auch über kurz oder lang, das entsprechende Gewicht verlieren. Ist dieses erreicht, darfst du freilich nicht sofort wieder ins Schlemmen verfallen und den Rechenstift bei Seite legen, sondern solltest bei deiner Gewohnheit bleiben. Es spricht zwar nichts gegen die eine oder andere Diät, der Abnehmerfolg ist dir aber beim Rechnen mehr garantiert. Im Falle der Diäten geht es nämlich vielmehr um den Unterschied der Nahrungsmittel. Manche sind eben gesünder, andere weniger. Möglicherweise liegt ja das Geheimnis in der Kombination von Rechenstift und gesunden Nahrungsmitteln. Jeder Diät allerdings, die dir verspricht, dass du so viel essen kannst wie du möchtest und dennoch abnimmst, solltest du misstrauen.
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