Gib dem Affen Zucker
In den 1970er Jahren hatte Adriano Celentano einen seiner vielen Filmerfolge als affenähnlicher Darsteller. Der Held des Films, ein fröhlicher Spaßmacher, der überall für Unruhe sorgt, soll immer wieder mit Zucker gezähmt werden. Wenn man aber, wie der Film suggeriert, Affen mit Zucker gefügig machen kann, warum nicht auch Menschen oder noch besser Läufer. Die haben ja nach einem Wettkampf oder Lauf ohnehin fast immer Heißhunger auf Zuckerhaltiges. Der kommt übrigens von den entleerten Kohlenhydratspeichern, die nach Füllung schreien. An sich ist das kein großes Problem, vorausgesetzt man füllt sie bald wieder auf, unangenehm wird´s nur dann, wenn es zu einer so genannten Unterzuckerung kommt.
Warnzeichen einer Unterzuckerung sind zwar nicht bei allen Menschen dieselben, dennoch aber ganz klar zu erkennen. Bei einer leichten Unterzuckerung tritt in der Regel Zittern, Schwitzen, Herzklopfen, ein Kribbeln unter der Haut oder ein eigenartig pelziges Gefühl um den Mund auf. Damit einhergehend komm es zu einem überfallsartigen Heißhunger, meist auf süße Lebensmittel. Sinkt der Insulinwert weiter, kommt es aufgrund des Zuckermangels im Gehirn zu Symptomen wie Konzentrations-, Sprach- oder Sehstörungen. Man bekommt Schwindelanfälle und zeigt seltsame Verhaltensauffälligkeiten. Manche unterzuckerten Sportler werden aggressiv, andere verhalten sich wiederum eher halblustig und benehmen sich wie besoffene Possenreißer. Bei sehr schwerer Unterzuckerung kann es zu Krampfanfällen, Hörstörungen oder gar zur Bewusstlosigkeit kommen.
Besonders in längeren sportlichen Wettkämpfen wie z.B. einem Marathon kann es zu solchen Unterzuckerungen kommen. Wichtig ist, dass du bereits bei den ersten Anzeichen reagierst, denn sonst ist es für diesen Wettkampf zu spät. Am besten du greifst sofort zu schnell wirkenden Kohlenhydraten. In der Regel genügen ein bis zwei BE/KE, das sind zwei bis vier Plättchen Traubenzucker. Sehr praktisch ist z.B. Flüssigtraubenzucker in der Tube oder im Beutel. Du erhältst ihn in der Apotheke. Aber auch mit Zucker gesüßte Getränke eignen sich gut als erste Sofortmaßnahme. Weniger geeignet sind dagegen fetthaltige Süßspeisen, da Fett die Aufnahme der Kohlenhydrate ins Blut um Einiges verzögert.
Nach rund fünfzehn bis dreißig Minuten solltest du prüfen, ob der Blutzucker gestiegen ist. Da dies beim Sport allerdings ein wenig schwierig ist, kann es nicht schaden, wenn du präventiv nach diesem Zeitraum eine weitere Portion Zucker nachlegst. Da in diesem Fall die Unterzuckerung durch körperliche Aktivität entstanden ist, solltest du im Übrigen sowieso zusätzlich ein bis zwei BE/KE lang wirkender Kohlenhydrate essen. Das sind beispielsweise ein bis zwei Scheiben Vollkornbrot mit Butter. Die kannst du dir ja schon im Vorfeld des Wettkampfs herrichten und entweder irgendwo in deinem Dress verstauen oder einem netten Helfer mitgeben.
Der sollte freilich seine Toleranzgrenze für diesen Tag etwas in die Höhe schieben, denn unterzuckerte Personen wirken oft etwas befremdlich für Außenstehende. Die meinen nämlich, wenn sie nicht ausreichend informiert sind, einen Besoffenen oder sehr aggressiven Menschen vor sich zu haben und reagieren möglicherweise dementsprechend. Und wenn man dich beim Marathon aus dem Rennen holt, weil man meint, du hättest Schnaps getrunken, ist das möglicherweise nicht in deinem Sinne.
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