Die Tage danach
Die Frühlingsmarathonläufe im Jahr 2012 befinden sich in ihrer heißen Phase. In jeder Stadt, die sportlich etwas auf sich hält, laufen Tausende über die Halbmarathon- oder Marathondistanz. Nicht alle Läufer sind jedoch optimal sowie ausreichend vorbereitet und kämpfen sich mit letzten Kräften ins Ziel. Dort überdeckt dann die Euphorie meist noch sämtliche anderen Empfindungen, man ist zwar erschöpft, die Schmerzen jedoch sind in der Regel erträglich. Spätestens am nächsten Morgen allerdings, wachen die meisten Marathonläufer nicht alleine auf. Der gefürchtete Muskelkater ist nämlich nicht selten ebenfalls mit dabei. Anders als der Hauskater schnurrt er allerdings nicht, sondern peinigt seinen Besitzer mit unangenehmen Schmerzen.
War man früher der Überzeugung, dass es sich beim Muskelkater um eine Ansammlung von Milchsäure handelt, die diese Schmerzen verursacht, haben zahlreiche Untersuchungen mittlerweile bewiesen, dass es sich um so genannte Mikrofaserrisse in den Myofibrillen der Muskelfasern handelt. Diese Risse sind nichts anderes als normale Gewebeschäden, auf die unser Körper mit Entzündungen und der Ansammlung von Wasser an den verletzten Stellen reagiert. Äußerlich erkennbar ist der Kater an den dickeren Muskeln an den defekten Körperstellen. Die Risse entstehen im Übrigen durch ein gleichzeitiges Kontrahieren und Dehnen der Muskulatur. Dieses Dehnen der Muskulatur kann der Muskelkater daher sogar noch stärker werden.
Dass die Ursache des Muskelkaters nicht überschüssige Milchsäure sein kann, beweist die Tatsache, dass die so genannten Laktate nur eine Haltbarkeit von etwa 20 Minuten aufweisen, der Muskelkater also sofort nach dem Training präsent sein müsste und nicht, wie es meistens der Fall ist, erst Stunden danach. Ganz einig ist man sich allerdings bis heute noch nicht wirklich, was die Entstehung des Muskelkaters angeht. Im Grunde ist es aber für den aktiven Sportler weniger von Interesse, wie er entsteht. Es geht vielmehr um die Frage, wie er zu vermeiden bzw. zu behandeln ist. Was nützt es dem vom Muskelkater Geplagten, wenn er weiß, was in seinem Körper die Schmerzen verursacht? Das Wissen um die Ursachen alleine, lässt den Schmerz nämlich nicht verschwinden.
Grundsätzlich wird sich die Erfahrung mit dem Muskelkater für Sport treibende Personen kaum vermeiden lassen. Es macht jedoch einen gewaltigen Unterschied, in welcher Intensität die Schmerzen auftreten. Wer jemals erlebt hat, wie es sich anfühlt aufgrund von Muskelfaserrissen verkehrt die Stufen hinuntergehen zu müssen, wird bemüht sein, diese Qual in der Zukunft zu vermeiden und den Muskelkater im Rahmen halten. Dies gelingt am besten, wenn man neue oder kaum durchgeführte Bewegungsmuster möglichst vorsichtig angeht und den Muskeln ausreichend Zeit gibt, sich daran zu gewöhnen. Je unbekannter und intensiver nämlich die Form der durchgeführten Bewegung für dich ist, desto schmerzhafter wird auch der Kater sich bemerkbar machen. Darüber hinaus geht es oft sehr rasch bis zum Eintreten der Muskelrisse, bedauerlicherweise spürt man den Schmerz erst einige Zeit später, warum man dazu neigt, länger zu trainieren als verträglich.
Ist es allerdings einmal passiert und treibt der Kater in deiner Muskulatur sein Unwesen, braucht es ein paar Gegenmaßnahmen, die den Regenerationsprozess beschleunigen und die Schmerzen erträglich halten. Keinesfalls solltest du mit Dehnübungen die Muskulatur noch mehr überfordern. Sinnvoller ist es, warme Bäder zu nehmen oder das heiße Wasser der Dusche über die überbeanspruchte Muskulatur fließen zu lassen. Vorsichtige Streichmassagen tragen ebenfalls zur Linderung der Schmerzen bei. Dazu solltest du viel Flüssigkeit zu dir nehmen und möglichst bald wieder mit leichter Bewegung beginnen. Und auch wenn sich der Muskelkater einige Tage nicht vertreiben lassen sollte, sei getrost, seine Lebensdauer ist um vieles geringer als die des vierbeinigen Katers vor deinem Kaminfeuer!
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